Portrait Stefan Slupetzky
Foto: Kurt Pinter

Stefan Slupetzky

1962 in Wien geboren, Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seit 1991 freischaffender Autor und Illustrator für in- und ausländische Buch-, Zeitschriften- und Theaterverlage. Radio-Bremen-Krimipreis 2009, Leo-Perutz-Preis für Lemmings Zorn 2010. Gründung der Wienerliedcombo Trio Lepschi gemeinsam mit Tomas Slupetzky und Martin Zrost. Publikationen (Auswahl): Der letzte große Trost (2016), Lesereise Mauritius (2016), Die Rückkehr des Lemming (2017).

Was ist es denn schließlich, das einen in die Fremde treibt: (...) Die Antwort ist so nahe liegend wie ernüchternd. Der heutige Mensch fährt nicht so sehr weg, um sich einem Ziel zu nähern, als vielmehr, um sich von daheim zu entfernen. Je weiter weg, desto besser, denn: Sein Leben geht ihm auf die Nerven. Es entbehrt der Stille, der Einfachheit, Klarheit und Schönheit, der Kontemplation. Mit jeder Reise versucht er zugleich den Beweis dafür anzutreten, dass sein gewohnter, von Hektik und Lärm durchpulster Lebensstil für sein Glück gar nicht notwendig ist. So reduziert sich sein Wandertrieb meistens darauf, einem Traum nachzujagen, dem Traum vom entspannten Vergessen, der schlichten Hoffnung auf das Paradies. (...)

In der einschlägigen Reiseliteratur findet sich eine Reihe von Büchern und Berichten über Mauritius, die einander zumeist in den Grundzügen gleichen: Euphorisch wird zunächst die prächtige Landschaft gerühmt, die teils üppige, wuchernde Vegetation im Landesinneren, die herrlichen Strände und die mit Myriaden schillernder Fische bevölkerten Buchten. Nicht lange, und das Hohelied auf die Natur der Insel weicht einem Lobgesang auf die Mentalität ihrer Bewohner: Ein beispielloses Potpourri verschiedener Völker, Kulturen und Religionen findet sich hier, so heißt es dann, und alle leben in unverbrüchlichem Frieden und vollkommener Harmonie zusammen (...)

Gleich vorweg: Keine dieser Behauptungen wird sich im Lauf unseres Aufenthaltes als unrichtig erweisen.

Aus: Lesereise Mauritius. Picus: Wien 2016




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